• Tokaj-Hegyalja

    Tokaj-Hegyalja

    Das Weinanbaugebiet von Tokaj-Hegyalja (Gebiet am Bergfuß bei Tokaj) erstreckt sich als das bekannteste Weinanbaugebiet des Landes in der nordöstlichen Ecke des heutigen Ungarns, an den zum Ufer des Flusses "Bodrog" führenden Hängen des Zemplén-Gebirges. Sein Gebiet ist etwa 90 km lang und 3-4 km breit und umfasst 28 Gemeinden, unter anderen die Dörfer Bodrogkeresztúr, Erdőbénye, Erdőhorváti, Mád, Olaszliszka, Tállya und Tolcsva. Sein Zentrum ist Tokaj, das am Fuß des Kopasz-Berges liegt, wo sich der Fluss "Bodrog" und der "Theiß" treffen. Der einzigartige Charakter und die wunderschöne Natur des Weinanbaugebietes wurden durch die UNESCO anerkannt und 2002 zum Teil des Weltkulturerbes erklärt.

    Die Geschichte des Weinanbaugebietes Tokaj-Hegyalja reicht ähnlich wie die Geschichte der vielen anderen ungarischen Weinanbaugebiete bis zu den Zeiten vor der Landnahme zurück. Die ungarische Vorfahren, die im 9. Jahrhundert im Karpaten-Becken ankamen, lagerten gerne in dieser mit Rebflächen bedeckten Gegend - wie Grabfunde bezeugen. An der Kreuzung der Flüsse "Bodrog" und "Theiß" wurde später eine Erdburg errichtet. Die heute als Tokaj benannte ehemalige Siedlung von Hímesudvar ist hier entstanden. Das Wort "Tokaj" hat einen alttürkischen Ursprung, bedeutet "Wald am Fluss entlang" und weist damit auf die Gegebenheiten der Gegend hin.

    Tokaj-Hegyalja Unser erstes schriftliches Zeugnis über die Rebflächen des Weinanbaugebietes Tokaj-Hegyalja stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist die Gründungsurkunde der Propstei "Turóczi" von 1251. Die Pflege der Reb- und Weinkultur lag den Königen der Árpáden sehr am Herzen, und dank der vielen Gründungen der kirchlichen Mönchsorden und der zahlreichen ausländischen Mönche erreichten viele neue Rebsorten Ungarn. Nach der Verwüstung des Tatarenzuges siedelte König Adalbert IV. Weinbauern aus den italienischen und wallonischen Gegenden in diesem Gebiet an. Diese brachten ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit, und brachten zusammen mit den lokalen Bauern das Weinanbaugebiet von Tokaj-Hegyalja zum Aufstieg.

    Die erste bekannte Erwähnung des Ausbruchweines, der das Weinanbaugebiet von Tokaj-Hegyalja selbst bekannt machte, kann auf 1571 datiert werden: In einem latein-ungarischen Wörterbuch von 1590 war der Ausdruck "Ausbruchtraube" schon ein bekannter Begriff. Die Beschreibung des Verfahrens der Ausbrucherzeugung kann mit dem Namen Máté Sepsy Laczkó und mit dem Jahr von 1630 verbunden werden. Von diesem Zeitpunkt begann die zunehmende Bedeutung des Ausbruchweines, was zahlreiche gesetzliche Regelungen und Verordnungen aus dem 17. Jahrhundert beweisen. Vor dem Reblausbefall entfaltete sich die Ausbruchproduktion des Weinanbaugebietes von Tokaj-Hegyalja bis zum Ende des 18. Jahrhundertes bzw. zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Zu jener Zeit produzierte dieses Weinanbaugebiet die beliebtesten Weine der Herrscherhäuser Europas.

    Tokaj-Hegyalja Der Reblausbefall brachte auch hier die Vernichtung der einheimischen Sorten. Auch der Kommunismus des 20. Jahrhunderts lähmte die qualitative Produktion für längere Zeit. Die Öffnung nach den 1990er-Jahren und die Hinwendung der Produktion zu mehr Qualität bedeuteten eine radikale Änderung.

    Im Zusammenhang mit dem Tokajer Wein spielt der Ursprungsort des Grundstoffes eines Weines heutzutage eine bedeutende Rolle. Dabei sei darauf hingewiesen, dass die Gegebenheiten der verschiedenen Weinberge in den verschiedenen Weinen gut unterschieden werden können. Vor allem dank der engagierten Arbeit von István Szepsy und János Árvay ist Tokaj seit einigen Jahren nicht mehr nur wegen seiner Ausbrüche, sondern auch wegen der hier produzierten trockenen Weißweine bekannt. Die gemeinsame Charakteristik dieser Weine ist die besonders mineralreiche, langsam reifende und sich langsam öffnende Geschmackswelt.

    Bebautes Rebgebiet

    Die Größe des Produktionsgebietes des Weinanbaugebietes beträgt insgesamt etwa 11.200 Hektar, wobei die Größe des auch zurzeit bebauten Produktionsgebietes etwa 5.500 Hektar beträgt.

    Charakteristiken des Bodens

    Mehr als 300 ehemalige Vulkane, die fünfzehn Millionen Jahre alt sind, bilden den Grund des Bodens des Weinanbaugebietes von Tokaj-Hegyalja. Infolge dieser Vorgeschichte ist das Grundgestein typisch Andesit, Rhyolit, Andesit- und Rhyolittuff. Auf dieser Grundschicht gestaltete sich an mehreren Stellen eine dünne Lößdecke bzw. ein schwer bebaubarer sog. "Nyirok"-Waldboden. An vielen Stellen kam aber auch das Grundgestein selbst an die Oberfläche. Die Bodenverhältnisse sind in diesem Weinanbaugebiet also sehr vorteilhaft für die Herstellung der mineralischen Weine von besonderer Qualität, die schöne Säuren haben. Die Natur stellt die hiesigen Winzer aber auch vor Herausforderungen.

    Klimatische Verhältnisse

    Das Klima des Weinanbaugebietes von Tokaj-Hegyalja hat einen kontinentalen Charakter mit einem warmen Sommer und kalten Winter. Das Wetter im Spätherbst ist hier aber abweichend von den anderen Weinanbaugebieten trocken und warm. Das gegen die kalten Nordwinde einen Schutz gewährende, dicht gegliederte Relief mit südlicher Lage, das vulkanische Grundgestein mit guter Wärmehaltungsfähigkeit und der am Fluss von Bodrog entlang in der Herbstfrühe erscheinende Dunst schaffen zusammen ein Mikroklima, das die Ausgestaltung des Edelschimmels (Botrytis cinerea) und die daraus entstehende Ausbruchbildung begünstigt. Der Edelschimmel bezieht die Weintrauben, verdünnt die Schale der Beeren, fördert die harmonische Konzentration des Zuckers und der Mineralien. Die Weinlese wird hier im Verhältnis zu den anderen Weinanbaugebieten später und typischerweise Ende Oktober begonnen.

    Im Zusammenhang mit den klimatischen Verhältnissen müssen wir die speziellen Gegebenheiten der ins Gestein gebohrten Keller erwähnen: Weltweit betrachtet kommt nur hier und in den Kellern des Weinanbaugebietes entlang des Rheins der Edelschimmel mit dem Namen Cladosporium Cellare vor, der sich vom Weindunst nährt und die Wände und Weinflaschen mit einer dicken, samtweichen Watte bedeckt. Dieser Pilz ist besonders empfindlich, er leidet schon unter der kleinsten Auflösung des Gleichgewichtes der mikroklimatischen Verhältnisse, seine Anwesenheit in den Tokajer Kellern ist also das sicherste Zeichen für die jahrhundertelang unveränderten Temperatur- und Dunstverhältnisse.

    Charakteristische Rebsorten

    Das Weinanbaugebiet von Tokaj-Hegyalja ist völlig mit Weißweintrauben bedeckt. Im Interesse des Traditionalismus und des Ursprungsschutzes sind insgesamt fünf Arten der Pflanzung und des Baus genehmigt.

    Weisse Rebsorten:

    Lindenblättriger, Furmint, Muscat Lunel, Kövérszőlő, Zéta (Oremus)

    Winzer und Weingüter

    1. Árvay, János (Winzer des Jahres, 2003)
    2. Bodrog Kellerei
    3. Szepsy, István (ikonische Figur der ungarischen Wein-Kultur; Winzer des Jahres, 2001)
    4. Weingut Degenfeld
    5. Weingut Disznókő Pincészet (Az Év Pincészete, 2005)
    6. Weingut Evinor
    7. Weingut Tokaj-Nobilis
    8. Weingut Oremus (Weingut des Jahres, 2003)
    9. Weingut Patrícius
    10. Weingut Royal Tokaji

    Links

    1. Weinanbaugebiet Tokaj-Hegyalja

    Weine aus der Region →